Hendrik Tacke: „Wir haben das Limit erreicht“ Handball: Der Abteilungsleiter über Proportionen und Problemzonen beim TV Borken

Als Handball-Monopolist schafft der TV Borken in der Kreisstadt das, was beispielsweise über einem Dutzend Vereinen in der Uni-Stadt Münster nicht gelingt. Nämlich ein Damen-Team oberhalb der Verbandsliga und ein Herren-Team in der Spitzengruppe der Landesliga zu platzieren.

Die Klasse stimmt beim TV Borken, dessen Damen in der Oberliga und die Herren (Foto) ambitioniert in der Landesliga unterwegs sind. Die Quantität lässt allerdings an einigen Stellen zu Wünschen übrig.

BORKEN. Der TV Borken kann also nicht so viel falsch machen. Tut er auch nicht, wie Hendrik Tacke, Chef der TVB-Handballer erklärt. Im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Martin Ilgen deckt er aber auch Lücken und Problemzonen in den eigenen Reihen auf.

 

Sie haben mit beiden Trainern ihrer ersten Mannschaften den Vertrag bis 2019 verlängert. Setzen Sie auf Kontinuität oder Bewährtes?

Tacke: Auf beides. Unter André Slawski stehen unsere Landesliga-Herren als Vierter so gut da, wie schon lange, lange nicht mehr bei einem Jahreswechsel. Und dass es für die Oberliga-Damen von Andreas Stolz erneut schwer wird mit dem Klassenerhalt, wussten wir vorher. Ich habe Respekt vor diesen Trainern, die so viel Energie in ihre Arbeit stecken. Slawskis persönliche Eigenschaften waren uns ja schon aus früheren Jahren bekannt.

 

Wir sind froh, dass wir Andreas Stolz geholt haben.

Andreas Stolz dagegen ist seit Frühjahr neu beim TV Borken.

Tacke: Und jetzt kann ich sagen: So ein Trainer-Typ ist selten. Wir sind froh, dass wir ihn geholt haben. Er bringt ein Höchstmaß an Engagement ein, ist ein kommunikativer Typ, denkt über die Grenzen der ersten Mannschaft hinaus, integriert Damen aus unserem Unterbau. Und ganz wichtig: Die Mannschaft ist vollends einverstanden mit ihm. Alle anderen Hoffnungen, als mit dieser Mannschaft erneut um den Ligaerhalt zu spielen, wären vermessen gewesen.

 

Sie haben den Unterbau bereits erwähnt. Da klafft eine qualitative Lücke im Jugendbereich. Ein Problem?

Tacke: Leider konnten sich nur die C-Junioren für die Oberliga-Runde qualifizieren. Ein echter Problembereich tut sich aber bei der zweiten Herren-Mannschaft auf.

 

Die Zweite als Option wird nahezu nicht genutzt.

Weil der Zweiten mit nur einem Sieg aus neun Partien der Abstieg aus der Bezirksliga droht?

Tacke: Nein. Das Problem liegt vielmehr im quantitativen Bereich. Vor allem bei Auswärtsfahrten fehlt Personal. Speziell an Samstagabenden bevorzugt so mancher andere Dinge. Und wir stellen fest, dass die meisten Jugendspieler nur Interesse an der ersten Mannschaft haben. Wenn‘s damit nicht funktioniert sind sie oft weg. Die Zweite als Option wird nahezu nicht genutzt.

 

Aber noch mal zurück zum Nachwuchs. Befürchten Sie nicht, dass die Lücke beim TV Borken zum Seniorenbereich zu groß wird?

Tacke: Doch. Aber dagegen müssen wir ansteuern. Sonst kippen Mannschaften wie Dominosteine weg. Eine männliche B-Jugend haben wir derzeit nicht. Zwei Akteure haben sich für eine Saison dem SV Schermbeck angeschlossen. Für die künftige A-Jugend suchen wir noch einen Kooperationspartner. Da würde sich Schermbeck anbieten. Für die Junioren-Teams brauchen wir aber nicht nur Trainer, die in ihren Teams ankommen. Auch die Freizeitverknappung durchs verkürzte Abi, Ausbildung und auswärtiges Studium spielt ein Rolle. Und dann stelle ich auch eine gesellschaftliche Thematik fest, die zum Wegbruch von Spielern in oberen Altersklasse führt: Die Verbundenheit junger Leute mit ihrem Verein ist nicht mehr die, die sie mal war.

 

Wir entwickeln uns seit Jahren positiv

Macht sich das auch in den Mitgliederkartei bemerkbar?

Tacke: Nein. Im Gegenteil. Wir entwickeln uns seit Jahren positiv und liegen zur Zeit bei über 500 Mitgliedern. Mit Trend nach oben. Was auch und vor allem auf die Initiative von Eva Brun zurückzuführen ist. Denn durch die Gründung und Arbeit mit Bambini-Gruppen seit rund sechs Jahren verzeichnen wir einen enormen Zulauf bei den Jüngsten. Es sind solche Massen, dass wir uns zwischenzeitig gar zu einem Aufnahmestopp veranlasst sahen. Ansonsten hätten wir den Teams in Sachen Trainern und Hallenzeiten nicht mehr gerecht werden können. Schließlich wollen wir den Nachwuchs möglichst lange mitnehmen.

Sehen Sie Ihre Abteilung also grundsätzlich gerüstet für die Zukunft?

Tacke: Ja, wir sind wirklich – auch dank zahlreicher engagierter Mitglieder – gut aufgestellt, haben in Handball-Camps jährlich über 40 Jugendliche und veranstalten im kommenden Jahr das 48. Christi-Himmelfahrtsturnier. Auch solche und weitere Veranstaltungen machen uns attraktiv.

 

Apropos Zukunft: Was ist noch möglich im Borkener Handball? Haben die ersten Damen- und Herren-Mannschaften das Ende der Fahnenstangen erreicht?

Tacke: Bei den Oberliga-Damen glaube ich, dass
wir in Sachen Klassenzugehörigkeit das Limit erreicht haben. Schließlich speist sich das Team stets aus dem eigenen Verein. Auch bei den Herren sehe ich uns hart an der Grenze. Aber vielleicht schaffen wir es ja doch, irgendwann mal an die Türe zur Verbandsliga zu klopfen.